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Wohlfühlen mit Gavalda

21. August 2008 · Kommentar schreiben

Gerade habe ich das wunderbare Buch „Zusammen ist man weniger allein“ der französischen Autorin Anna Gavalda zuende gelesen. Und ich kann nur sagen, dass es zu den Büchern gehört, die mir in letzter Zeit am meisten Freude beim Lesen gemacht haben. Auch wenn sich das liest, wie ein Klappentext, trifft es der Aussage ziemlich genau, dass ich traurig war, nicht noch eine Weile in der Welt meiner „Romanhelden“ bleiben zu können, als ich mit Lesen fertig war.
Ich fand die vier Hauptcharaktere einfach sehr überzeugend und trotzdem mit leichter Hand gezeichnet. Figuren nach meinem Geschmack: alle ein bisschen von der Welt gebeutelt, alle etwas verschroben, die sich als sehr ungleiches Quartett zusammenfinden.
Da ist die sehr in sich zurückgezogene, aber hochtalentierte, spargeldünne Malerin Camille, die in einer Putzkolonne arbeitet, der von seiner adeligen Familie nicht anerkannte aber ebenso liebenswürdige wie belesene Marquis Phillibert, der sie rettet und zu sich in die Wohnung holt. Dort lebt er mit Franck, dem flapsigen und trotz seiner leicht prolligen Art unwiderstehliche Koch, der sich zwischen Arbeit und der Sorge um seine Omi Paulette aufreibt. Wie es dazu kommt, dass auch sie Teil der sonderbaren WG wird ist nur ein Mosaikstein der Geschichte. Ich habe häufig gelacht, so manches Mal die ein oder andere Träne aus dem Augenwinkel gewischt und mich beim Lesen keine Sekunde gelangweilt.
Für mich ein echtes Wohlfühlbuch und es wäre ein guter Grund, mal richtig gut Französisch zu lernen. Ich war schon drauf und dran, mir das Original mit dem Titel „Ensemble c’est tout“ zuzulegen. Getreu dem Motto: hätte ich doch in der Schule damals mal besser aufgepasst, dann könnte ich vielleicht noch tiefer in die echt französiche Atmosphäre eintauchen.
Aber auch in der, wie ich finde, sehr gelungenen und sehr geschmeidig zu lesenden deutschen Übersetzung ist Gavaldas Buch im Augenblick ganz weit oben in meiner Beliebheitsskala. Im übrigen fand ich auch ihren wesentlich kürzeren, weniger witzigen aber ebenfalls überzeugenden Roman „Ich habe sie geliebt“ ausgesprochen lesenswert.

Nebenbei noch ein Gruß an Ela. Du hast das „Zusammenist man weniger allein“ ja schon vor Monaten wärmstens empfohlen. Du hattest recht.

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Der „Wanderer“ und die „riesige Maschine“

12. Juli 2008 · 1 Kommentar

In meinem Urlaub bin ich endlich mal wieder dazu gekommen ein paar Bücher zu lesen (oder auch sie endlich durchzulesen).
Eins davon war „The Traveller“ von John Twelve Hawks, eine Empfehlung von midsch. Auf der englischen Originalausgabe wird es als der neue „Da Vinci Code“ angepriesen. Viel haben die Bücher allerdings nicht miteinander zu tun, außer der Tatsache, dass in beiden „Geheimgesellschaften“ vorkommen. Während sich Dan Brown mit der immer wieder gern bemühten Suche nach dem Heiligen Gral befasst und alles mögliche von der biblischen Geschichte bis zu den Tempelrittern einflechtet, um schließlich zu offenbaren, dass es heute noch leibliche Nachkommen von Jesus Christus gibt, die über Jahrhunderte vor der Kirche versteckt und geheimgehalten wurden, erfindet John Twelve Hawks die Traveller.
Diese Menschen sollen seit Ewigkeiten die Fähigkeit besessen haben, in andere Dimensionen zu wandern. Dadurch standen sie häufig außerhalb der Gesellschaft und waren gleichzeitig Weise, die den Mächtigen aller Zeiten ein Dorn im Auge waren. Hinter den Mächtigen verbirgt sich ebenfalls eine Geheimorganisation, die Tabula, die sich selbst als die Bruderschaft bezeichnet. Sie hat über Jahrhunderte hinweg versucht, alle Traveller zu vernichten. Das ist ihr auch fast gelungen, obwohl die Wanderer von speziell ausgebildeten, geheimen Kämpfern beschützt werden, den „Harlequins“.
Zum Zeitpunkt der Geschichte, die in der Jetzt-Zeit spielt, wird eine junge Harlequin namens Maya von ihrem sterbenden Harlequin-Vater beauftragt, die letzten beiden potentiellen Traveller zu schützen, zwei Söhne eines ermordeten Travellers. Inzwischen hat aber auch die Tabula mehr Interesse, diese Weltenwanderer nicht zu zerstören, sondern zu nutzen, weil sie Nachrichten aus einer anderen Dimension empfangen hat, und einen Traveller benötigt, um diesen „Außerirdischen“ den Weg in unsere Welt zu weisen. Es bginnt ein Wettlauf um die beiden letzten Traveller, in dessen Verlauf sich die Tabula aller Mittel der modernen elektronischen Überwachung und Kommunikation bedient und gerne auch über Leichen geht. Diese Maschinerie nennt John Twelve Hawks die „vast machine“.
Das Faszinierende an diesem spannenden „Page-Turner“ ist die Vorstellung, dass all diese Übewachungsmöglichkeiten heute tatsächlich bereits existieren. Diese gigantische Maschinerie in der jeder Mensch heute elektronisch erfasst und alle seine Schritte überprüft, verfolgt und ausfindig gemacht werden können, ist Realität. Elektronische Pässe, die ihre Informationen übertragen, ohne dass jemand noch in den Ausweis schauen muss, biometrische Erkennung, weltweite Überprüfbarkeit von Aktivitäten von EC- und Kreditkarten-Nutzern und vieles mehr.
Nur eine geringe Zahl von Menschen, kleine Gemeinschaften, versuchen außerhalb dieses Netzes – „off the grid“, wie es Hawks im Original nennt – zu leben. Der Autor behauptet im Nachwort von sich selbst, er lebe „off the grid“.
Sein Buch ist bei aller wie pure Fantasy anmutenden Fiktion doch gar nicht so weit von den Möglichkeiten und Realtitäten der heutigen Welt entfernt, was es umso spannender macht. Alle Menschen, die sich bedenkenlos überall registrieren und überwachen lassen, damit der weltweiten Terror bekämpft werden kann, laufen Gefahr, dass ihre Daten auch in weniger wohlmeinender Weise genutzt wird.
Insofern ist das Buch ein Muss für alle „Datenschutz“-Anhänger. Aber auch allen, die einfach nur Lust auf ein actiongeladenes, manchmal recht blutiges aber jederzeit packendes Leseabenteuer haben, sei „The Traveller“ von mir wärmstens ans Herz gelegt.
Das Buch ist der erste Band der Trilogie „The Fourth Realm“. Das Ende weist dementsprechend einen ordentlichen cliffhanger auf, damit man auf jeden Fall wissen möchte, wie es weitergeht.

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Leser

2. Juni 2008 · 1 Kommentar

Gerade habe ich einen interessanten Satz gelesen in Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“. Der Gedanke kam mir irgendwie vertraut vor, als ob ich ihn in ähnlicher Form selbst schon einem gedacht hätte. Das kann aber auch Einbildung sein. Aber gefällt mir in seiner Rigorosität:

„Es gab die Menschen, die lasen, und es gab die anderen. Ob einer ein Leser war oder ein Nichtleser – man merkte es schnell. Es gab zwischen Menschen keinen größeren Unterschied als diesen. Die Leute staunten, wenn er das behauptete, und manche schüttelten den Kopf über so viel Verschrobenheit. Aber es war so. Gregorius wußte es. Er wußte es.“

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Fröstelnde Lese-Ostern in Afghanistan

24. März 2008 · 1 Kommentar

Sei es nun dem frühen Zeitpunkt im Jahr oder dem Klimawandel geschuldet, diese verschneiten, nasskalten Ostern waren einfach nur zum Zuhausebleiben geeignet. Nicht dass ich zu viel mehr zu gebrauchen gewesen wäre. Imerhin habe ich es endlich mal wieder geschafft, ein Buch zu Ende zu lesen. Ich weiß, dass es nicht besonders originell ist, einen Weltbestseller zu lesen und ihn dann auch noch zu loben, aber sei’s drum:

„Drachenläufer“ von Khaled Hosseini hat mit wirklich gut gefallen. Speziell nach meiner Reise nach Kairo fiel es mir leicht, mich in diese so fremde islamische Welt Afghanistans entführen zu lassen. Auch wenn natürlich Ägypten völlig anders ist als Afghanistan. Der geschichtliche Hintergrund von der Zeit vor der sowjetischen Besetzung bis zum amerikanischen Einmarsch fand ich sehr spannend. Aber spannender war das geschilderte Verhältnis zwischen Amir, seinem besten Freund Hassan und Amirs Vater, Baba genannt. Eine Geschichte von Schuld und Angst, von Mut und der bedingungslosen Liebe zu einem Freund, zu der nicht jeder in der Lage ist. Hosseini schreibt aus einer sehr persönlichen Ich-Erzähler-Sicht und ist derjenige, der genau diese Courage und Bedingungslosigkeit zunächst nicht aufbringt, was ihm Jahrzehnte von Leid und Selbstvorwürfen beschert. Das Buch gewährt Einblicke in einen für uns schwer nachvollziehbaren Ehrenkodex der Afghanen, der mal befremdlich, mal absurd und mal schwer erträglich erscheint.
Der Erzählstil Hosseinis hat mir von Beginn an gefallen und eine Menge von Sätzen, Passagen und Bildern werden mich noch eine Weile begleiten. Endlich mal wieder ein Buch, bei dem ich sofort „drin“ war und das mich bis zum Ende gefesselt hat. Für mich zu recht ein Beststeller.

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Nicht reinkommen

16. Februar 2008 · Kommentar schreiben

Manchmal gibt es ewig keine Bücher, die ich fertig kriege. Es gibt einfach Zeiten, in denen ich lauter verschiedene Bücher anfange und zu keinem einen Zugang finde. Ich komme mir dann während der ersten Seiten so vor, wie jemand, der mit einem Immobilienmakler durch ein fertig eingerichtetes Heim läuft und sich umschaut, aber sich in keinem der Gebäude zuhause fühlt. Manchmal ist es sogar eher so, als ob ich gerade mal durch die Fensterscheiben in dn Innenraum sehen kann. Er kann sogar oft toll, geschmackvoll oder gediegen eingerichtet sein, aber ich finde den Eingang nicht.

Bei Büchern, die ich gut gefunden habe, war es oft schon nach wenigen Seiten das Gefühl, die Wohnung eines Freundes oder lieben Bekannten zu betreten und es sich dort gemütlich zu machen. Vieles ist unbekannt, aber es ist voller Leben. Ein Leben, auf das ich neugierig bin.

Leider habe ich seit mehreren Wochen kein solches Buch gefunden. Es mag allerdings auch daran liegen, dass ich selbst zu rastlos bin, um mich in Ruhe niederzulassen, und mir nicht die Zeit geben kann, die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen.

Lesen ist manchmal Glücksache.

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Wühltisch-Glücksgriffe 1

3. Dezember 2007 · 1 Kommentar

Blitzeis – Peter Stamm

Nachdem ich zuletzt häufig etwas umfangreichere Bücher gelesen habe, war ich sehr begeistert von einem dünnen Band mit erzählungen von Peter Stamm. Da ist kein Wort zu viel und keins zu wenig in diesen Geschichten. Alle aus der Ich-Erzähler-Perpektive geschrieben, aber es ist nie die selbe Person. Alles sehr präzise, auf den Punkt und lebendig, obwohl seine Sprache ohne große Metaphern- und Bildgewalt auskommt. Jede Geschichte ein kleines Meisterwerk.

Ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich verpasst habe, die Poetischen Quellen, das Literaturfestival, in BAd OEynhausen zu besuchen. Da hätte ich ihn persönlich erleben können. Das hätte mir sicher gefallen. Leider ist mir das Buch erst später auf einem Remittenden-Tisch (meine (un-)heimliche Leidenschaft) in die Hände gefallen. Vielleicht kommt er ja noch mal wieder.

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