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Beiträge vom Juli 2008

Der „Wanderer“ und die „riesige Maschine“

12. Juli 2008 · 1 Kommentar

In meinem Urlaub bin ich endlich mal wieder dazu gekommen ein paar Bücher zu lesen (oder auch sie endlich durchzulesen).
Eins davon war „The Traveller“ von John Twelve Hawks, eine Empfehlung von midsch. Auf der englischen Originalausgabe wird es als der neue „Da Vinci Code“ angepriesen. Viel haben die Bücher allerdings nicht miteinander zu tun, außer der Tatsache, dass in beiden „Geheimgesellschaften“ vorkommen. Während sich Dan Brown mit der immer wieder gern bemühten Suche nach dem Heiligen Gral befasst und alles mögliche von der biblischen Geschichte bis zu den Tempelrittern einflechtet, um schließlich zu offenbaren, dass es heute noch leibliche Nachkommen von Jesus Christus gibt, die über Jahrhunderte vor der Kirche versteckt und geheimgehalten wurden, erfindet John Twelve Hawks die Traveller.
Diese Menschen sollen seit Ewigkeiten die Fähigkeit besessen haben, in andere Dimensionen zu wandern. Dadurch standen sie häufig außerhalb der Gesellschaft und waren gleichzeitig Weise, die den Mächtigen aller Zeiten ein Dorn im Auge waren. Hinter den Mächtigen verbirgt sich ebenfalls eine Geheimorganisation, die Tabula, die sich selbst als die Bruderschaft bezeichnet. Sie hat über Jahrhunderte hinweg versucht, alle Traveller zu vernichten. Das ist ihr auch fast gelungen, obwohl die Wanderer von speziell ausgebildeten, geheimen Kämpfern beschützt werden, den „Harlequins“.
Zum Zeitpunkt der Geschichte, die in der Jetzt-Zeit spielt, wird eine junge Harlequin namens Maya von ihrem sterbenden Harlequin-Vater beauftragt, die letzten beiden potentiellen Traveller zu schützen, zwei Söhne eines ermordeten Travellers. Inzwischen hat aber auch die Tabula mehr Interesse, diese Weltenwanderer nicht zu zerstören, sondern zu nutzen, weil sie Nachrichten aus einer anderen Dimension empfangen hat, und einen Traveller benötigt, um diesen „Außerirdischen“ den Weg in unsere Welt zu weisen. Es bginnt ein Wettlauf um die beiden letzten Traveller, in dessen Verlauf sich die Tabula aller Mittel der modernen elektronischen Überwachung und Kommunikation bedient und gerne auch über Leichen geht. Diese Maschinerie nennt John Twelve Hawks die „vast machine“.
Das Faszinierende an diesem spannenden „Page-Turner“ ist die Vorstellung, dass all diese Übewachungsmöglichkeiten heute tatsächlich bereits existieren. Diese gigantische Maschinerie in der jeder Mensch heute elektronisch erfasst und alle seine Schritte überprüft, verfolgt und ausfindig gemacht werden können, ist Realität. Elektronische Pässe, die ihre Informationen übertragen, ohne dass jemand noch in den Ausweis schauen muss, biometrische Erkennung, weltweite Überprüfbarkeit von Aktivitäten von EC- und Kreditkarten-Nutzern und vieles mehr.
Nur eine geringe Zahl von Menschen, kleine Gemeinschaften, versuchen außerhalb dieses Netzes – „off the grid“, wie es Hawks im Original nennt – zu leben. Der Autor behauptet im Nachwort von sich selbst, er lebe „off the grid“.
Sein Buch ist bei aller wie pure Fantasy anmutenden Fiktion doch gar nicht so weit von den Möglichkeiten und Realtitäten der heutigen Welt entfernt, was es umso spannender macht. Alle Menschen, die sich bedenkenlos überall registrieren und überwachen lassen, damit der weltweiten Terror bekämpft werden kann, laufen Gefahr, dass ihre Daten auch in weniger wohlmeinender Weise genutzt wird.
Insofern ist das Buch ein Muss für alle „Datenschutz“-Anhänger. Aber auch allen, die einfach nur Lust auf ein actiongeladenes, manchmal recht blutiges aber jederzeit packendes Leseabenteuer haben, sei „The Traveller“ von mir wärmstens ans Herz gelegt.
Das Buch ist der erste Band der Trilogie „The Fourth Realm“. Das Ende weist dementsprechend einen ordentlichen cliffhanger auf, damit man auf jeden Fall wissen möchte, wie es weitergeht.

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