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Beiträge vom März 2008

Fröstelnde Lese-Ostern in Afghanistan

24. März 2008 · 1 Kommentar

Sei es nun dem frühen Zeitpunkt im Jahr oder dem Klimawandel geschuldet, diese verschneiten, nasskalten Ostern waren einfach nur zum Zuhausebleiben geeignet. Nicht dass ich zu viel mehr zu gebrauchen gewesen wäre. Imerhin habe ich es endlich mal wieder geschafft, ein Buch zu Ende zu lesen. Ich weiß, dass es nicht besonders originell ist, einen Weltbestseller zu lesen und ihn dann auch noch zu loben, aber sei’s drum:

„Drachenläufer“ von Khaled Hosseini hat mit wirklich gut gefallen. Speziell nach meiner Reise nach Kairo fiel es mir leicht, mich in diese so fremde islamische Welt Afghanistans entführen zu lassen. Auch wenn natürlich Ägypten völlig anders ist als Afghanistan. Der geschichtliche Hintergrund von der Zeit vor der sowjetischen Besetzung bis zum amerikanischen Einmarsch fand ich sehr spannend. Aber spannender war das geschilderte Verhältnis zwischen Amir, seinem besten Freund Hassan und Amirs Vater, Baba genannt. Eine Geschichte von Schuld und Angst, von Mut und der bedingungslosen Liebe zu einem Freund, zu der nicht jeder in der Lage ist. Hosseini schreibt aus einer sehr persönlichen Ich-Erzähler-Sicht und ist derjenige, der genau diese Courage und Bedingungslosigkeit zunächst nicht aufbringt, was ihm Jahrzehnte von Leid und Selbstvorwürfen beschert. Das Buch gewährt Einblicke in einen für uns schwer nachvollziehbaren Ehrenkodex der Afghanen, der mal befremdlich, mal absurd und mal schwer erträglich erscheint.
Der Erzählstil Hosseinis hat mir von Beginn an gefallen und eine Menge von Sätzen, Passagen und Bildern werden mich noch eine Weile begleiten. Endlich mal wieder ein Buch, bei dem ich sofort „drin“ war und das mich bis zum Ende gefesselt hat. Für mich zu recht ein Beststeller.

Kategorien: leben · lesen
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A Night to remember

16. März 2008 · 2 Kommentare

Es ist vollbracht. Gestern Abend ist unser Irish Heartbeat 2008 bei Bohne in Rahden gut über die Bühne gegangen. Ich kann Euch sagen, dass mir eine große Last von den Schultern genommen ist. Jedes Jahr ist es wieder aufregend, diesen für uns großen Auftritt (immerhin um die 200 Zuhörer im Saal) zu haben. Jedes Jahr ist es wie Weihnachten: Du weißt das ganze Jahr über, wann es kommt, du denkst darüber nach, dass du alle Geschenke rechtzeitig gekauft (sprich Vorbereitungen rechtzeitig getroffen) haben willst. Aber jedes Jahr ist es dann doch wieder plötzlich da und du fragst dich: Ja, ist denn schon wieder Weihnachten/St. Patricks Day? Immer besorgst du die Geschenke erst in letzter Minute.
In diesem Jahr waren unsere musikalischen Vorbereitungen auf den Abend zu unserem eigenen Missfallen denkbar knapp gehalten. Alle vier Foggys waren wir reihum gesundheitlich und/oder psychisch nicht auf der Höhe. Deshalb hatte ich diesmal noch mehr Bammel davor, dass irgendwas nicht hinhauen könnte. Bei mir war es der ganze Stress um den Wechsel im Job und dazu meine angeschlagene Gesundheit mit dem schon fast obligatorischen Halskratzen wenige Tage vor dem Auftritt.
Glücklicherweise hat die Klasse-Nacht mich nachhaltig Lügen gestraft. Vor allem, weil wir alle vier auf dem Punkt fit waren (zumindest so gut es eben geht), wie man im Sport sagen würde. Kleinere Patzer inklusive haben wir, nach meinem Gefühl, eines der besten Konzerte hingelegt, das wir je gespielt haben.

Der WeTo-Cor und Addi Schaefer haben den Abend natürlich erst richtig rund gemacht. Einige Entscheidungen in der Planung des Programms haben sich als absolut richtig herausgestellt. Zum einen war es eine gute Idee, Addi besser ins Geschehen einzubinden und als Moderator durch den Abend führen zu lassen. Dass dabei seine Vorträge zum großen Teil seine sehr gelungenen Übertragungen von Songtexten ins Deutsche waren, kam sehr gut an und rüber (speziell seine Nacherzählung von Finnegans Wake war brilliant – Terry aus Herford, die als Engländerin das Original bestens verstehen kann, meinte sogar, dass er die Geschichte besser erzählt habe als der Song selbst.) Die beiden zusätzlich dargebotenen Stücke Irland-Literatur waren auch wieder bestens ausgesucht. Eine köstliche kleine Geschichte über die motivierende Wirkung einer spärlich bekleidet sonnenbadenden Nachbarin auf den Fleiß eines irischen Elektrikers und ein wunderschöner irischer Segensspruch.

Auch die WeTos waren gut drauf und haben ihre Stücke mit Bravour gemeistert. Wegen der neuen Anlage, die insgesamt für einen Spitzensound sorgte (Dank an Bose und vor allem an Thomas!!!), konnte man den Chor diesmal auch besser hören als beim letzten Mal. Auch das Zusammenspiel zwischen Chor und Foggys hat recht gut geklappt, bis auf einen kleinen Aussetzer meinerseits beim Zwischenstück von Greensleeves. Sorry Jos!;)
Die Entscheidung, alle WeTo-Lieder in einem großen Block zu einem recht frühen Zeitpunkt ins Programm einzubauen, war im Nachhinein betrachtet auch goldrichtig. Sonst wäre es auf ein zu großes Hin und Her herausgelaufen. Nicht zuletzt gab unser alter Freund Murphy einen Gastauftritt, solo am Klavier mit seiner grandiosen rauchigen Stimme muss es dann auch nicht unbedingt irisch sein. Zum Schluss gab es dann aber doch noch „Danny Boy“ von ihm zu hören.

Ich habe selten so viel positive Rückmeldung nach einem unserer Konzerte zu hören bekommen. Lächelnde Gesichter, mitsingende und mitwippende Zuhörer sind ja ohnehin das schönste Lob, dass man sich wünschen kann. Es war vor allem schön zu sehen, dass der Großteil der Zuhörer auch am Ende des ungefähr vierstündigen Programms noch da war, was ja auch nichts Schlechtes bedeutet. Besonders viel Lob gab es (wie ja eigentlich immer) für Silvia und ihre wahrhaft bezaubernde Stimme. Ihre ganz allein ohne Begleitung gesungene Version von „She moved through the fair“ hat mit Sicherheit nicht nur mir Gänsehaut vom Feinsten beschert. Aber, wie gesagt, die Stimmung war einfach klasse. Die meisten, die in diesem Jahr beim Rahdener „Irish Heartbeat“ dabei waren dürften mit dem guten Gefühl gegangen sein, einen besonderen Abend erlebt zu haben – A Night to remember.

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Kategorien: The New Foggy Few

Is time a healer or a narcotic?

5. März 2008 · 5 Kommentare

„Die Zeit heilt alle Wunden.“ Diesen Satz höre und lese in letzter mehrfach von Freunden und Bekannten. „Time is a healer, it heals all wounds“ von Eva Cassidy. Ein schöner Song, den ich in letzter Zeit gerne höre. Und wahrscheinlich haben alle, die mir nach meinem Abschied aus Vlotho und dem Wechsel in eine neue Redaktion mit dieser oder ähnlichen Weisheiten helfen wollen, völlig recht. Aber ich weiß noch nicht, ob ich geheilt werden möchte. Manchmal habe ich sogar Angst davor. Angst, dass die Zeit nicht ein Heiler, sondern ein Schmerzmittel ist. Der Schmerz, liebe Menschen nicht sehen oder treffen zu können, hat für mich auch etwas sehr Positives. Ich merke, dass ich am Leben bin. Er hält den Wunsch am Leben, die Kontakte zu Menschen, die mir am Herz liegen, aufrecht zu erhalten. Ich kenne mich nur zu gut. Ich weiß, wie schnell bei mir das alte Spiel „Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn“ funktioniert. Für mich ist dieses Kontakt halten eine echte Aufgabe, an der ich in meinem Leben schon bei (zu) vielen Menschen gescheitert bin. Verblasst der Wunsch so schnell, weiterhin Dinge miteinander zu teilen? Verschwinden gar diese Gemeinsamkeiten? Oder kostet es einfach zu viel Energie, die der Alltag aufsaugt? Freundschaft ist auch Anstrengung, besonders auf Entfernung. Sicher eine Arbeit, die Freude macht, aber eben auch Arbeit.

Manche Freunde spreche ich ewig nicht und weiß doch, dass alles gut ist. Rufe ich irgendwann an (oder sie mich), freuen wir uns beide und keiner hat ein komisches Gefühl dabei, keiner wirft dem anderen mangelnde Aufmerksamkeit vor. Manche Freunde verschwinden in der Versenkung, ohne Wiederkehr. Bei manchen weiß ich warum, bei anderen nicht (ich weiß nicht, was ich schmerzhafter finde). Bei manchen wünsche ich, es wäre anders. Bei manchen wünsche, es wäre mir egal. Bei manchen wünsche ich mir gar nichts. Am schmerzhaftesten sind solche Freundschaften, bei denen der Wunsch, den Kontakt aufrecht zu erhalten, einseitig ist. Bei denen du im Nachhinein feststelltst, dass jede Freundlichkeit nur Rücksichtnahme oder Gutmütigkeit war. Jedes nette Wort dir im Nachhinein als milde Gabe erscheint. Du die Echtheit der positiven Gefühle dieses Freundes nicht mehr beurteilen kannst. Hier wünsche ich mir gelegentlich, dass die Zeit schneller ihre Arbeit verrichten möge, mich diesen Schmerz nicht mehr fühlen zu lassen.

Im Augenblick liebe ich meinen Trennungsschmerz, den ich für die Vlothoer empfinde, noch und hoffe, dass er mir erhalten bleibt. Damit ich meine Freunde weiterhin treffe, weiterhin telefoniere und Mails schreibe, um den Balsam des Wiedersehens zu spüren. Das ist etwa so wie in dem alten Witz, in dem ein Mann immer mit dem Kopf gegen die Wand rennt. Da fragt ihn jemand: „Ja, aber warum machen Sie das denn? Das muss doch schrecklich weh tun.“ Darauf der Mann: „Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt.“

Kategorien: leben
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