Zurück aus Ägypten (1)
Frisch zurück vom Besuch mit Midsch in Kairo. Ein riesiger Haufen Backsteine, Zement und Asphalt durch den geschätzte 18 Millionen Menschen pulsieren. Meine Vermutung: Kairoer lieben Steine. Nicht nur die der Pyramiden und der Sphinx. Ich verbringe meine Zeit in Kairo bei einem guten Freund aus Studientagen, der dort hin ausgewandert ist. Er wohnt mit Frau und zwei kleinen Töchtern im Stadtteil Gisa und hat eine Wohnung im zehnten Stock mit Balkon und Blick auf die berühmten Pyramiden von Gisa (bei uns oft Gizeh genannt) aber leider ohne Aufzug. Das heißt: es gibt nur einen Aufzugschacht, eher notdürftig mit Holzplatten (im neunten Stock sogar nur mit einer Pappe) gegen den Absturz gesichert. Deshalb ersteige ich die Wohnung immer sehr an der Wand entlang. Oben angekommen bin ich immer froh und mir ist auch warm. Ich möchte lieber nicht wissen, wie es ist, diesen zehnten Stock im Kairoer Sommer zu erklimmen.
Doch zurück zum Balkon: Der Blick über die mit hunderten mit Satellitenschüsseln bewehrten Hochhausdächer auf die Pyramiden ist schon genial. Besonders, wenn sich morgens der Dunst verzieht und die Sicht ganz klar ist. Am Abend gibt es auch zeitweilig farbige Beleuchtung der Pyramiden, was dann und wann auch echt gut aussieht.
Zu meinem Besuch an den Pyramiden erzähl ich später mehr.
Kairo ist laut (eigentlich permanent), staubig, stinkig aber in diesem Februar für uns erträglich warm mit knapp 10 Grad Celsius. Der Ägypter empfindet diese (oder gar noch niedrigere Temperaturen von um die 5 Grad wie in diesem Winter) als enorm kalt und läuft gerne mit Schal und Handschuh herum.
Der Verkehr in Kairo ist eine Geschichte für sich. In einer für deutsche Autofahrer schier unvorstellbaren Art und Weise drängen sich Tag und Nacht Autos durch die größeren Straßen. Auf drei Spuren fahren dann auch mal fünf Autos neben einander. Es wird rechts und links überholt, wie es gerade passt. Wichtigster Bestandteil eines Autos ist seine Hupe. Midsch sagt: “Wer nicht mindestens alle zwei Minuten einmal auf die Hupe drückt, dem wird umgehend die Fahrerlaubnis entzogen.” Zur Not nimmt man auch gerne die Lichthupe, macht aber nur halb so viel Spaß, weil es viel weniger Leute mitkriegen. Für unsere Ohren hört sich der Kairoer Verkehr in bestimmten Verkehrsknotenpunkten Kairos an wie ein immer währender Autokorso. Apropos: Einen Autokorso gab es während unseres Aufenthaltes einmal, nämlich nach dem Halbfinale im Fußball Afrika Cup Ägypten gegen Cote d’Ivoire, das die Ägypter (Gott ist groß!!!!) mit 4:1 für sich entschieden.
Zum Abenteuer des öffentlichen Nahverkehr in Kairo lasse ich mich dann ein anderes Mal an dieser Stelle aus.
Kairo ist für mich trotz bester Betreuung durch Freunde, die sich dort leben oder zumindest schon hier waren ein ziemlicher Kulturschock. So viel Islam auf einmal. Fast nur verschleierte Frauen. Jede Menge Arabisch um die Ohren, das mir bis auf wenige Worte vollständig unbekannt ist und mich deshalb sehr verunsichert. Mit Englisch kommt mal gut, mal schlecht weiter. Ohne Sprachkenntnisse und getränkt mit Vorurteilen und Vorerfahrungen glaube ich ständig, dass man von mir als Ausländer für alles zwischen drei- und zwanzigmal so viele Pfund verlangt wie von den Einheimischen.
Zwar bestätigt sich der Verdacht, dass die Preise für Touristen in vielen Dingen höher liegen, aber sie bleiben trotzdem erschwinglich, weil ein Ägypisches Pfund irgendwas bei 13 Euro-Cent sind. Preise hängen auch davon ab, wo man etwas kauft. In einem Ort wo Touristen erwartet werden und häufig anzutreffen sind, liegen sie immer höher. Auf dem Dorf, wo wir an zwei Tagen unseren alten Lüneburger Freund Mohammed und seine Familie besucht haben, gibt es diese Unterscheidung eher nicht. Aber da haben wir auch keine Gelegenheit etwas zu kaufen. Zum Essen, Tee und Kaffee sind wir sowieso immer eingeladen. In dem Dorf Komelachta (das ist meine Lautschrift, weil ich gar nicht weiß, ob es eine lateinische Schreibweise gibt), das etwas nördlich von Kairo im Nil-Delta liegt, erlebe ich das echte ägyptische Landleben. Hier wird noch viel von Hand gemacht. Bauern haben statt vieler Maschinen oft nur einen Esel und einen Wasserbüffel. Die aus luftgetrockneten Lehmziegeln gebauten Feldhäuser sind im Winter angenehm warm und im Sommer angenehm kühl. Bei Mohammeds Schwager haben wir Gelegenheit in einer solchen Hütte einn Tee zu trinken. Das Dorf selbst hat etwa 10.000 bis 15.000 Einwohner (was sich so Dorf nennt) und die Häuser im Dorf sind aus roten Ziegeln und stehen sehr eng bei einander. Mohammed ist einerseits Bibliothekar an der zuständigen Schule und führt das erste Fotostudio am Ort,mit einem digitaler Fotografie und perfekter Nachbearbeitung. Motto: “With El Shazly your pictures are better”. Überhaupt hat auch hier die moderne Welt längst Einzug gehalten. Viele Leute haben Handys und sind mit DSL im Internet unterwegs während nebenan der Eselkarren vorüberrappelt. Culture Clash in Egypt.
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14. Februar 2008 um 13:48
Hallo interessant die Notizen aus kairo Hast du schon angefangen arabisch (für kairo aegyptisch arabisch) zu lernen? man bruachut etwa fünf jahrewenn man nicht so oft nach aegypten reist, mit aufenthalten etwa ein bis zwei ae-ar ist zum glück nicht so scher wie hoacharabisch, das einen immensen wortschatz hat grammatik ist einfach schrift sollte man zwei monaten können
14. Februar 2008 um 15:14
Hallo Jochen. Ich kann noch nicht absehen, wie oft ich in den arabischen Raum reisen werde. Dass das Erlernen dieser für unsere Zuge und Ohren so ungewohnten Sprache sehr lang dauert, glaube ich Dir sofort. Der Freund, den ich dort besucht habe, hört sich für mich schon sehr fortgeschritten an in seinem in etwa fünf Jahren erlernten Kenntnissen. Aber er versteht nach eigenen Aussagen noch lange nicht alles und liest die Schrift noch so langsam, dass er nach der Aufschrift auf den Bussen kaum jemals einen vorüberfahrenden Minibus ergattern würde. Aber das läuft ja da glücklicherweise eher per Handzeichen. Ich glaube kaum, dass ich in bächster Zeit ernsthaft anfange, diese schwierige Sprache zu lernen.