Schiffmühle, Stadtfest und mehr

11. Mai 2008

Morgen ist Pfingstmontag. Zum dritten Mal nach 2005 und 2006 spielen wir an der Schiffmühle in Minden mit den Foggys. Die Wettervorhersagen sind grandios, der Matjes wird wie immer gut sein und ein paar Freunde haben ihr Kommen angekündigt. Was will man mehr?

Es gibt auch noch weitere Anfragen für den Mai, die allerdings noch nicht letzendlich geklärt sind.

In diesem Jahr werden wir auch erstalig im Rahmen des Rahdener Stadtfestes zu hören sein. Am Sonntag, 15. Juni, im Zelt an der Steinstraße. Ich halte es für eine gute Idee, wenn in Rahden auch mal eine Rahdener Band am Start ist.

Wer unsere Musik mag, hat jedenfalls in nächster Zeit wieder verschiedene Gelegenheiten, sich seine Foggy-Ration zu holen. Wir sehen uns.


Lars und…

15. April 2008

Manchmal muss man einfach auch Glück haben. Heute Abend habe ich es mit Inka geschafft, im Lübbecker Kino einen Film zu sehen, von dem wir beide nie gedacht hätten, dass er sich jemals bis in unsere hiesigen Kleinkinos verirrt: “Lars und die Frauen”. Ich kann nur sagen: ich war einfach froh, ihn gesehen zu haben.

Er erzählt die Geschichte von einem Endzwanziger im Norden der USA, der aufgrund seiner familiären Vorgeschichte ärgste Probleme hat, sich anderen Menschen, insbesondere Frauen gegenüber, zu öffnen. Als er sich dann per Internet eine lebensgroße “Real Doll” bestellt und sie seinem Bruder und seiner Schwägerin als seine neue Freundin Bianca vorstellt, scheint er reif für die Klappsmühle. Wie sich doch noch alles zum Guten wendet, ist sehr unspektakulär aber mit sehr viel Humor und Wärme in Szene gesetzt. Das ist mal ein ganz anderes modernes Märchen.

Ich empfehle “Lars und die Frauen” wärmstens. Dass das nicht alle so sehen belegte sowohl die Zahl der Besucher: fünf. Und das am Kinotag. In Lübbecke. Außerdem haben wir noch zwei von den fünfen gehört, die sich wenig begeistert geäußert haben. Am besten selbst angucken.


Twain zitiert

14. April 2008

Es gibt ein schönes Zitat von Mark Twain über Journalisten:

Er hat gesagt:Journalisten sind Leute, die ein Leben lang darüber nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben.”

Obwohl ich finde, dass Twain ein wirklich schlauer Kopf war und zugeben muss, dass mir dieses Zitat aufgrund seines Witzes immer gut gefallen hat, komme ich mehr und mehr zu der Überzeugung, dass der gute Mann hier nicht ganz richtig liegt. Ich glaube vielmehr, dass es eine Menge Journalisten gibt, die so vielseitige Interessen haben, dass sie sich immer wieder fragen, ob sie nicht ebenso gut etwas anderes hätten machen können. Und die Glücklicheren unter uns kommen irgendwann an den Punkt, dass sie sich sagen, dass Journalist eben ganz genau der Beruf ist, den sie machen möchten.
Sicher kommen einem bei so mancher Kollektiv-Seite oder Schützenfest-Berichterstattung ernsthafte Zweifel. Aber, hey, wer hat diese Zweifel an seinem Beruf nicht manchmal. Letztlich kommt es aber darauf an, dass man sich von Zeit zu Zeit daran erinnert, was für einen tollen Beruf man hat, wenn man das Gefühl hat, dass das, was man schreibt, tatsächlich gelesen wird und Menschen interessiert. Da halte ich es mit einem anderen Twain-Zitat, das mir gerade in die Finger gefallen ist. Ist zwar ganz schön dick aufgetragen aber sowas gefällt mit manchmal ganz gut:

Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.


Frühstücksfleisch

3. April 2008

Ich habe mich kürzlich, als ich mir mal wieder so vor kam, als ob ich meine gesamte Mail nur für diverse SPAM-Ordner schreibe, gefragt, woher der Begriff SPAM eigentlich kommt. Und selbstverständlich wusste Wikipedia die Antwort. Hier nur ein Ausschnitt des Wikipedia-Eintrags:

“Der Begriff SPAM – als Synonym für eine unnötig häufige Verwendung und Wiederholung – entstammt dem Spam-Sketch der englischen Comedyserie Monty Pythons Flying Circus: In einem Café besteht die Speisekarte ausschließlich aus Gerichten mit SPAM teilweise mehrfach hintereinander im Namen enthalten. Im Sketch wird das Wort SPAM insgesamt knapp 100 mal erwähnt.
Ganz allgemein existiert im amerikanischen Englisch die Floskel „… ist so unnötig wie Büchsenfleisch (SPAM)“. Da amerikanische Soldaten – angeblich – ungern Fleisch der Marke SPAM gegessen haben, soll diese Redensart entstanden sein.”

Ich weiß ja nicht, ob Ihr alle schon mal ein Dosenfleisch dieser Art gegessen habt. Bei uns gab es das jedenfalls früher, als ich klein war (so kurz nach dem ersten Weltkrieg), sogar relativ häufig. Und ich gestehe: Ich fand das Zeug damals gar nicht so schlecht. Ich meine, OK, irgendwie war es schon eklig mit so glasigem Glibber und einigen Fettschlieren drin., aber irgendwie gut eklig, wenn Ihr wisst, was ich meine (das ist ein Begriff, der zu manchen Kinderlieblingsspeisen passt wie: Marschmellows und so ‘nem Zeug). Heute würde ich es mir sicher nicht mehr kaufen, nicht mal aus nostalgischen Erwägungen. Aber es ist irgendwie eine Kindheitserinnerung. Wir hatten ja nix, damals. Olli, Du weißt bescheid.

Insofern fühle ich mich zwar immer noch scheiße, wenn ich das Gefühl habe, das meine Mail bei manchen Menschen nur im SPAM-Ordner landen. Eben so richtig wie durchgedrehtes Fleisch, das niemand wirklich essen will. Aber andererseits denke ich mir: vielleicht gibt es doch noch ein paar Verrückte, die Geschmack daran finden. In diesem Sinne, guten Hunger.


Fröstelnde Lese-Ostern in Afghanistan

24. März 2008

Sei es nun dem frühen Zeitpunkt im Jahr oder dem Klimawandel geschuldet, diese verschneiten, nasskalten Ostern waren einfach nur zum Zuhausebleiben geeignet. Nicht dass ich zu viel mehr zu gebrauchen gewesen wäre. Imerhin habe ich es endlich mal wieder geschafft, ein Buch zu Ende zu lesen. Ich weiß, dass es nicht besonders originell ist, einen Weltbestseller zu lesen und ihn dann auch noch zu loben, aber sei’s drum:

“Drachenläufer” von Khaled Hosseini hat mit wirklich gut gefallen. Speziell nach meiner Reise nach Kairo fiel es mir leicht, mich in diese so fremde islamische Welt Afghanistans entführen zu lassen. Auch wenn natürlich Ägypten völlig anders ist als Afghanistan. Der geschichtliche Hintergrund von der Zeit vor der sowjetischen Besetzung bis zum amerikanischen Einmarsch fand ich sehr spannend. Aber spannender war das geschilderte Verhältnis zwischen Amir, seinem besten Freund Hassan und Amirs Vater, Baba genannt. Eine Geschichte von Schuld und Angst, von Mut und der bedingungslosen Liebe zu einem Freund, zu der nicht jeder in der Lage ist. Hosseini schreibt aus einer sehr persönlichen Ich-Erzähler-Sicht und ist derjenige, der genau diese Courage und Bedingungslosigkeit zunächst nicht aufbringt, was ihm Jahrzehnte von Leid und Selbstvorwürfen beschert. Das Buch gewährt Einblicke in einen für uns schwer nachvollziehbaren Ehrenkodex der Afghanen, der mal befremdlich, mal absurd und mal schwer erträglich erscheint.
Der Erzählstil Hosseinis hat mir von Beginn an gefallen und eine Menge von Sätzen, Passagen und Bildern werden mich noch eine Weile begleiten. Endlich mal wieder ein Buch, bei dem ich sofort “drin” war und das mich bis zum Ende gefesselt hat. Für mich zu recht ein Beststeller.


A Night to remember

16. März 2008

Es ist vollbracht. Gestern Abend ist unser Irish Heartbeat 2008 bei Bohne in Rahden gut über die Bühne gegangen. Ich kann Euch sagen, dass mir eine große Last von den Schultern genommen ist. Jedes Jahr ist es wieder aufregend, diesen für uns großen Auftritt (immerhin um die 200 Zuhörer im Saal) zu haben. Jedes Jahr ist es wie Weihnachten: Du weißt das ganze Jahr über, wann es kommt, du denkst darüber nach, dass du alle Geschenke rechtzeitig gekauft (sprich Vorbereitungen rechtzeitig getroffen) haben willst. Aber jedes Jahr ist es dann doch wieder plötzlich da und du fragst dich: Ja, ist denn schon wieder Weihnachten/St. Patricks Day? Immer besorgst du die Geschenke erst in letzter Minute.
In diesem Jahr waren unsere musikalischen Vorbereitungen auf den Abend zu unserem eigenen Missfallen denkbar knapp gehalten. Alle vier Foggys waren wir reihum gesundheitlich und/oder psychisch nicht auf der Höhe. Deshalb hatte ich diesmal noch mehr Bammel davor, dass irgendwas nicht hinhauen könnte. Bei mir war es der ganze Stress um den Wechsel im Job und dazu meine angeschlagene Gesundheit mit dem schon fast obligatorischen Halskratzen wenige Tage vor dem Auftritt.
Glücklicherweise hat die Klasse-Nacht mich nachhaltig Lügen gestraft. Vor allem, weil wir alle vier auf dem Punkt fit waren (zumindest so gut es eben geht), wie man im Sport sagen würde. Kleinere Patzer inklusive haben wir, nach meinem Gefühl, eines der besten Konzerte hingelegt, das wir je gespielt haben.

Der WeTo-Cor und Addi Schaefer haben den Abend natürlich erst richtig rund gemacht. Einige Entscheidungen in der Planung des Programms haben sich als absolut richtig herausgestellt. Zum einen war es eine gute Idee, Addi besser ins Geschehen einzubinden und als Moderator durch den Abend führen zu lassen. Dass dabei seine Vorträge zum großen Teil seine sehr gelungenen Übertragungen von Songtexten ins Deutsche waren, kam sehr gut an und rüber (speziell seine Nacherzählung von Finnegans Wake war brilliant - Terry aus Herford, die als Engländerin das Original bestens verstehen kann, meinte sogar, dass er die Geschichte besser erzählt habe als der Song selbst.) Die beiden zusätzlich dargebotenen Stücke Irland-Literatur waren auch wieder bestens ausgesucht. Eine köstliche kleine Geschichte über die motivierende Wirkung einer spärlich bekleidet sonnenbadenden Nachbarin auf den Fleiß eines irischen Elektrikers und ein wunderschöner irischer Segensspruch.

Auch die WeTos waren gut drauf und haben ihre Stücke mit Bravour gemeistert. Wegen der neuen Anlage, die insgesamt für einen Spitzensound sorgte (Dank an Bose und vor allem an Thomas!!!), konnte man den Chor diesmal auch besser hören als beim letzten Mal. Auch das Zusammenspiel zwischen Chor und Foggys hat recht gut geklappt, bis auf einen kleinen Aussetzer meinerseits beim Zwischenstück von Greensleeves. Sorry Jos! ;)
Die Entscheidung, alle WeTo-Lieder in einem großen Block zu einem recht frühen Zeitpunkt ins Programm einzubauen, war im Nachhinein betrachtet auch goldrichtig. Sonst wäre es auf ein zu großes Hin und Her herausgelaufen. Nicht zuletzt gab unser alter Freund Murphy einen Gastauftritt, solo am Klavier mit seiner grandiosen rauchigen Stimme muss es dann auch nicht unbedingt irisch sein. Zum Schluss gab es dann aber doch noch “Danny Boy” von ihm zu hören.

Ich habe selten so viel positive Rückmeldung nach einem unserer Konzerte zu hören bekommen. Lächelnde Gesichter, mitsingende und mitwippende Zuhörer sind ja ohnehin das schönste Lob, dass man sich wünschen kann. Es war vor allem schön zu sehen, dass der Großteil der Zuhörer auch am Ende des ungefähr vierstündigen Programms noch da war, was ja auch nichts Schlechtes bedeutet. Besonders viel Lob gab es (wie ja eigentlich immer) für Silvia und ihre wahrhaft bezaubernde Stimme. Ihre ganz allein ohne Begleitung gesungene Version von “She moved through the fair” hat mit Sicherheit nicht nur mir Gänsehaut vom Feinsten beschert. Aber, wie gesagt, die Stimmung war einfach klasse. Die meisten, die in diesem Jahr beim Rahdener “Irish Heartbeat” dabei waren dürften mit dem guten Gefühl gegangen sein, einen besonderen Abend erlebt zu haben - A Night to remember.

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Is time a healer or a narcotic?

5. März 2008

“Die Zeit heilt alle Wunden.” Diesen Satz höre und lese in letzter mehrfach von Freunden und Bekannten. “Time is a healer, it heals all wounds” von Eva Cassidy. Ein schöner Song, den ich in letzter Zeit gerne höre. Und wahrscheinlich haben alle, die mir nach meinem Abschied aus Vlotho und dem Wechsel in eine neue Redaktion mit dieser oder ähnlichen Weisheiten helfen wollen, völlig recht. Aber ich weiß noch nicht, ob ich geheilt werden möchte. Manchmal habe ich sogar Angst davor. Angst, dass die Zeit nicht ein Heiler, sondern ein Schmerzmittel ist. Der Schmerz, liebe Menschen nicht sehen oder treffen zu können, hat für mich auch etwas sehr Positives. Ich merke, dass ich am Leben bin. Er hält den Wunsch am Leben, die Kontakte zu Menschen, die mir am Herz liegen, aufrecht zu erhalten. Ich kenne mich nur zu gut. Ich weiß, wie schnell bei mir das alte Spiel “Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn” funktioniert. Für mich ist dieses Kontakt halten eine echte Aufgabe, an der ich in meinem Leben schon bei (zu) vielen Menschen gescheitert bin. Verblasst der Wunsch so schnell, weiterhin Dinge miteinander zu teilen? Verschwinden gar diese Gemeinsamkeiten? Oder kostet es einfach zu viel Energie, die der Alltag aufsaugt? Freundschaft ist auch Anstrengung, besonders auf Entfernung. Sicher eine Arbeit, die Freude macht, aber eben auch Arbeit.

Manche Freunde spreche ich ewig nicht und weiß doch, dass alles gut ist. Rufe ich irgendwann an (oder sie mich), freuen wir uns beide und keiner hat ein komisches Gefühl dabei, keiner wirft dem anderen mangelnde Aufmerksamkeit vor. Manche Freunde verschwinden in der Versenkung, ohne Wiederkehr. Bei manchen weiß ich warum, bei anderen nicht (ich weiß nicht, was ich schmerzhafter finde). Bei manchen wünsche ich, es wäre anders. Bei manchen wünsche, es wäre mir egal. Bei manchen wünsche ich mir gar nichts. Am schmerzhaftesten sind solche Freundschaften, bei denen der Wunsch, den Kontakt aufrecht zu erhalten, einseitig ist. Bei denen du im Nachhinein feststelltst, dass jede Freundlichkeit nur Rücksichtnahme oder Gutmütigkeit war. Jedes nette Wort dir im Nachhinein als milde Gabe erscheint. Du die Echtheit der positiven Gefühle dieses Freundes nicht mehr beurteilen kannst. Hier wünsche ich mir gelegentlich, dass die Zeit schneller ihre Arbeit verrichten möge, mich diesen Schmerz nicht mehr fühlen zu lassen.

Im Augenblick liebe ich meinen Trennungsschmerz, den ich für die Vlothoer empfinde, noch und hoffe, dass er mir erhalten bleibt. Damit ich meine Freunde weiterhin treffe, weiterhin telefoniere und Mails schreibe, um den Balsam des Wiedersehens zu spüren. Das ist etwa so wie in dem alten Witz, in dem ein Mann immer mit dem Kopf gegen die Wand rennt. Da fragt ihn jemand: “Ja, aber warum machen Sie das denn? Das muss doch schrecklich weh tun.” Darauf der Mann: “Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt.”


Guter Abend

26. Februar 2008

Pete Morton beim Musik machen zu erleben, war für mich ein Genuss und das gemeinsame Konzert von den New Foggy Few mit Olli Plöger und ihm ein ebensolcher. Pete singt aus vollem Herzen. Er singt, was ihn beschäftigt. Er singt vom Zusammenleben der Menschen, er singt von der Schönheit der Welt, aber auch von Gorilla-Damen, Postschalter-Warteschlangen und natürlich von der Liebe. Nicht zu vergessen natürlich in seinem all-time-favorite “Another Train” von vertanen Chancen und der Gewissheit, dass es immer eine zweite gibt im Leben. Seine Lieder sprechen nicht nur mir aus dem Herzen

Mein lieber Freund Olli ebnete Pete als Support den Weg in einen gelungenen Abend voller toller Songs, wippender Füße und fröhlicher Gesichter in der Marktscheune in Vlotho, gleich gegenüber der St. Stephanskirche. Mit seinem unnachahmlichen Spiel und Gesang sowie seiner wie immer ansprechenden Mixtur von Popsongs deutscher und englischer Zunge hatte er sofort die rund 100 Gäste in der urigen alten Deele auf seiner Seite. Egal ob schmachtende Popballade von Rob Thomas, Klassiker wie “Top of the World” von den Carpenters oder Deutsches von Stefan Gwildis oder Heinz Rudolf Kunze: Olli, der “Mann mit dem Körperteil aus Holz” (das ist seine eigene Formulierung - jeder darf selbst raten, welches das sein könnte, auch gerne Mr. Medley genannt) hat sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums. Na gut, einigen die da waren, waren ihre Unterhaltungen wichtiger als die Musik, aber das gehört ja zur rustikalen Atmosphäre eines solchen Konzertes. Wie bei seinen letzten Auftritten üblich, brachte der Vlothoer Lokalmatador mit “Schwere Wasser” auch eines seiner selbst verfassten Stücke, das mich in seiner Bildsprache immer ein wenig einen Herbert Grönemeyer erinnert. Ein feines Stück Musik, wobei ich hoffe bald mehr aus dieser viel versprechenden Feder Geschriebens hören zu können. Mit merklicher Vorfreude leitete Olli über zu Pete Morton mit einem kleinen Zitat, dem Anfang von “Another Train”: “The Beginning is now….”

Als Pete a-cappela einsteigt, bin ich sofort gefesselt. Er sprüht von Lust am Gesang und am Leben, und der Freude sie mit seinem Publikum teilen zu können. Seine kräftige und trotzdem nicht rauhe, volle Stimme füllt den Raum, sein Gitarrespiel ergänzt den Klang zu einem wunderbaren Ganzen. Inka neben mir schmilzt dahin. Der Sound stimmt, Pete selbst ist ganz begeistert von Thomas’ neuer Anlage, die alle Nuancen rüber bringt und bei der der Musiker sein eigenes Wirken genauso hört wie alle anderen im Raum. Geniales Bose-Teil.

Ja, und wir waren auch ganz gut an diesem Abend. Für Organisator Rudolf Döhr war unser Auftritt spätestens beim zweiten Stück gerettet, als wir wie so oft im ersten Set zu Beginn Mike Scotts “Fisherman’s Blues” rausgehauen haben. Fast alle, sogar fast bis hin zur sonst sehr lautstarken Theke-Sitzer-Fraktion, lauschten dann spätestens als Silvias Stimme zu unsere Version von Stuart Adamsons “Ships” die Hörer in ihren Bann zog. Es hat wieder viel Spaß gemacht, zu merken, wie die Füße beginnen zu Wippen und sich Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer schleicht. Es war schön zu sehen, wie viele Freunde und Bekannte gekommen waren, aber auch wie viele, die uns nicht kannten, offen waren für das, was wir zu bieten haben. Selbst ein kleiner Stromausfall mitten im Schönsten Echo-Gesang vom “Gallow Song” konnte die Stimmung nicht kaputtmachen.

Nach jeweils zwei Sets von Pete und uns jammten wir noch ein paar feine Stücke gemeinsam mit Olli. Drunken Sailor, damit das Publikum auch noch mitmachen konnte, Olli sorgte für große Begeistrung (auf und vor der Bühne) mit “Just havent found what I’m looking for” und “Watching the Wheels” und dem “San Francisco Blues”.

Am Ende dürften alle in dem Bewusstsein nach Hause gegangen sein, dass sie für einen Zehner eine Menge Spaß und gute Musik bekommen haben. Ach ja, und von der ganzen Veranstaltung soll es irgendwann auch einen Video-Mitschnitt auf DVD geben, gedreht vom Profi Norbert Kaase. Ich bin sehr gespannt.

Jammen mit Olli Plöger und Pete Morton

Foggys live in der Marktscheune Vlotho

Foggys (leider ist Jos nicht mit drauf)


Nicht reinkommen

16. Februar 2008

Manchmal gibt es ewig keine Bücher, die ich fertig kriege. Es gibt einfach Zeiten, in denen ich lauter verschiedene Bücher anfange und zu keinem einen Zugang finde. Ich komme mir dann während der ersten Seiten so vor, wie jemand, der mit einem Immobilienmakler durch ein fertig eingerichtetes Heim läuft und sich umschaut, aber sich in keinem der Gebäude zuhause fühlt. Manchmal ist es sogar eher so, als ob ich gerade mal durch die Fensterscheiben in dn Innenraum sehen kann. Er kann sogar oft toll, geschmackvoll oder gediegen eingerichtet sein, aber ich finde den Eingang nicht.

Bei Büchern, die ich gut gefunden habe, war es oft schon nach wenigen Seiten das Gefühl, die Wohnung eines Freundes oder lieben Bekannten zu betreten und es sich dort gemütlich zu machen. Vieles ist unbekannt, aber es ist voller Leben. Ein Leben, auf das ich neugierig bin.

Leider habe ich seit mehreren Wochen kein solches Buch gefunden. Es mag allerdings auch daran liegen, dass ich selbst zu rastlos bin, um mich in Ruhe niederzulassen, und mir nicht die Zeit geben kann, die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen.

Lesen ist manchmal Glücksache.


Zurück aus Ägypten (1)

10. Februar 2008

Frisch zurück vom Besuch mit Midsch in Kairo. Ein riesiger Haufen Backsteine, Zement und Asphalt durch den geschätzte 18 Millionen Menschen pulsieren. Meine Vermutung: Kairoer lieben Steine. Nicht nur die der Pyramiden und der Sphinx. Ich verbringe meine Zeit in Kairo bei einem guten Freund aus Studientagen, der dort hin ausgewandert ist. Er wohnt mit Frau und zwei kleinen Töchtern im Stadtteil Gisa und hat eine Wohnung im zehnten Stock mit Balkon und Blick auf die berühmten Pyramiden von Gisa (bei uns oft Gizeh genannt) aber leider ohne Aufzug. Das heißt: es gibt nur einen Aufzugschacht, eher notdürftig mit Holzplatten (im neunten Stock sogar nur mit einer Pappe) gegen den Absturz gesichert. Deshalb ersteige ich die Wohnung immer sehr an der Wand entlang. Oben angekommen bin ich immer froh und mir ist auch warm. Ich möchte lieber nicht wissen, wie es ist, diesen zehnten Stock im Kairoer Sommer zu erklimmen.
Doch zurück zum Balkon: Der Blick über die mit hunderten mit Satellitenschüsseln bewehrten Hochhausdächer auf die Pyramiden ist schon genial. Besonders, wenn sich morgens der Dunst verzieht und die Sicht ganz klar ist. Am Abend gibt es auch zeitweilig farbige Beleuchtung der Pyramiden, was dann und wann auch echt gut aussieht.
Zu meinem Besuch an den Pyramiden erzähl ich später mehr.

Kairo ist laut (eigentlich permanent), staubig, stinkig aber in diesem Februar für uns erträglich warm mit knapp 10 Grad Celsius. Der Ägypter empfindet diese (oder gar noch niedrigere Temperaturen von um die 5 Grad wie in diesem Winter) als enorm kalt und läuft gerne mit Schal und Handschuh herum.

Der Verkehr in Kairo ist eine Geschichte für sich. In einer für deutsche Autofahrer schier unvorstellbaren Art und Weise drängen sich Tag und Nacht Autos durch die größeren Straßen. Auf drei Spuren fahren dann auch mal fünf Autos neben einander. Es wird rechts und links überholt, wie es gerade passt. Wichtigster Bestandteil eines Autos ist seine Hupe. Midsch sagt: “Wer nicht mindestens alle zwei Minuten einmal auf die Hupe drückt, dem wird umgehend die Fahrerlaubnis entzogen.” Zur Not nimmt man auch gerne die Lichthupe, macht aber nur halb so viel Spaß, weil es viel weniger Leute mitkriegen. Für unsere Ohren hört sich der Kairoer Verkehr in bestimmten Verkehrsknotenpunkten Kairos an wie ein immer währender Autokorso. Apropos: Einen Autokorso gab es während unseres Aufenthaltes einmal, nämlich nach dem Halbfinale im Fußball Afrika Cup Ägypten gegen Cote d’Ivoire, das die Ägypter (Gott ist groß!!!!) mit 4:1 für sich entschieden.
Zum Abenteuer des öffentlichen Nahverkehr in Kairo lasse ich mich dann ein anderes Mal an dieser Stelle aus.

Kairo ist für mich trotz bester Betreuung durch Freunde, die sich dort leben oder zumindest schon hier waren ein ziemlicher Kulturschock. So viel Islam auf einmal. Fast nur verschleierte Frauen. Jede Menge Arabisch um die Ohren, das mir bis auf wenige Worte vollständig unbekannt ist und mich deshalb sehr verunsichert. Mit Englisch kommt mal gut, mal schlecht weiter. Ohne Sprachkenntnisse und getränkt mit Vorurteilen und Vorerfahrungen glaube ich ständig, dass man von mir als Ausländer für alles zwischen drei- und zwanzigmal so viele Pfund verlangt wie von den Einheimischen.

Zwar bestätigt sich der Verdacht, dass die Preise für Touristen in vielen Dingen höher liegen, aber sie bleiben trotzdem erschwinglich, weil ein Ägypisches Pfund irgendwas bei 13 Euro-Cent sind. Preise hängen auch davon ab, wo man etwas kauft. In einem Ort wo Touristen erwartet werden und häufig anzutreffen sind, liegen sie immer höher. Auf dem Dorf, wo wir an zwei Tagen unseren alten Lüneburger Freund Mohammed und seine Familie besucht haben, gibt es diese Unterscheidung eher nicht. Aber da haben wir auch keine Gelegenheit etwas zu kaufen. Zum Essen, Tee und Kaffee sind wir sowieso immer eingeladen. In dem Dorf Komelachta (das ist meine Lautschrift, weil ich gar nicht weiß, ob es eine lateinische Schreibweise gibt), das etwas nördlich von Kairo im Nil-Delta liegt, erlebe ich das echte ägyptische Landleben. Hier wird noch viel von Hand gemacht. Bauern haben statt vieler Maschinen oft nur einen Esel und einen Wasserbüffel. Die aus luftgetrockneten Lehmziegeln gebauten Feldhäuser sind im Winter angenehm warm und im Sommer angenehm kühl. Bei Mohammeds Schwager haben wir Gelegenheit in einer solchen Hütte einn Tee zu trinken. Das Dorf selbst hat etwa 10.000 bis 15.000 Einwohner (was sich so Dorf nennt) und die Häuser im Dorf sind aus roten Ziegeln und stehen sehr eng bei einander. Mohammed ist einerseits Bibliothekar an der zuständigen Schule und führt das erste Fotostudio am Ort,mit einem digitaler Fotografie und perfekter Nachbearbeitung. Motto: “With El Shazly your pictures are better”. Überhaupt hat auch hier die moderne Welt längst Einzug gehalten. Viele Leute haben Handys und sind mit DSL im Internet unterwegs während nebenan der Eselkarren vorüberrappelt. Culture Clash in Egypt.

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